Kornkreise

 

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Andreas Müller
Kornkreise - Geometrie, Phänomene, Forschung.

Gebunden, 144 Seiten, über 180 farbige Abbildungen, 48,00 DM.
Arau, Schweiz: AT-Verlag 2001.

Der Autor dieses Buches beschäftigt sich seit 1994 mit großem persönlichen Engagement mit Kornkreisen. Unter anderem ist er jeden Sommer vor Ort im Zentrum des Geschehens in Wiltshire, England, um die dort entstehenden Kornkreise zu untersuchen. Als Leiter des internationalen Kornkreisarchivs ICCA (International Crop Circle Archive), das das weltweite Auftreten von Kornkreisen dokumentiert und jährliche Statistiken dazu veröffentlicht, meldet sich mit dem vorliegenden Buch also ein Experte zu Wort.

Müller zeigt, dass es bereits in Märchen und Legenden Hinweise und Indizien auf Kornkreise gibt und belegt dies durch entsprechende Literaturhinweise, die bis in das 17. Jahrhundert zurück reichen. Selbst in der hoch angesehenen naturwissenschaftlichen Fachzeitschrift "Nature" wurde bereits 1880 von einem englischen Wissenschaftler über Kornkreise in der südenglischen Grafschaft Surrey berichtet.

Im Kapitel "Die Evolution des modernen Phänomens in England" folgt eine detaillierte Darstellung der Entwicklung in den letzten 20 Jahren. Es werden generelle Trends sowie die Höhepunkte der jeweiligen Saison beschrieben und anhand von ausgezeichneten Fotos dargestellt. Ein sehr aktuelles Photo der Riesenformation auf dem Milk Hill vom 12. August 2001 schließt diesen Überblick ab.

Bei den "ersten Annäherungen an die großen Fragen der Kornkreise" werden auch international bekannt gewordene Kornkreise einbezogen. Anhand von Statistiken wird gezeigt in welchen Monaten, Tageszeiten oder Witterungsbedingungen Kornkreise entstanden sind. Die Entstehung von Kornkreisen wurde nur selten von Menschen beobachtet. So sind die hier geschilderten Augenzeugenberichte aus Deutschland, England, Niederlande und Australien eine wertvolle Sammlung. Entstehungsorte werden auf globaler und lokaler Ebene dargestellt und deren vermehrtes Auftreten in der Nähe von prähistorischen, heiligen Stätten und Leylines aufgezeigt.

Ein eigenes Kapitel hat Müller dem Aspekt der Geometrie gewidmet. Nach einleitenden Betrachtungen zu unsichtbarer und heiliger Geometrie folgt ein Abschnitt, den der Gastautor Jan Schwochow geschrieben hat. Dieser hat in den Angelner Kornkreisen (Schleswig-Holstein) entdeckt, dass fast alle von ihm untersuchten Formationen auf der Basis des goldenen Schnitts konstruiert wurden, die man auf einfache und intuitive Weise mit Hilfe von Pentagrammen, die man über die Skizzen oder Luftbilder legt, sichtbar machen kann. Größenverhältnisse, Abstände innerhalb von Elementen und die Lage zu Traktorspuren scheinen nicht zufällig gewählt worden zu sein. Es folgt eine sehr knappe Darstellung der von Gerald Hawkins aufgestellten Theoreme, die die Grundlagen einer neuen Geometrie jenseits von Euklid bilden. Diese Theorie wurde in angesehenen und begutachteten Fachzeitschriften publiziert. Die Theoreme sind leider nur als Faksimile eines englischen Original-Artikels abgedruckt und werden nicht weiter erklärt. Ihr Zusammenhang mit der diatonischen Tonleiter und vor allem der Nachweis, dass diese Theoreme bei der Konstruktion verschiedener Kornkreise zugrunde lagen, bleiben dem Leser verborgen. Hier wären ein paar Beispiele sehr nützlich gewesen. (Eine besser verständliche Darstellung findet man übrigens im kürzlich erschienen Buch "Faszinierende Kornkreise" von Eltjo Haselhoff). Es folgt die Darstellung von "unmöglichen Geometrien", also Formationen, die man mit normalen Mitteln, wie Zirkel und Lineal, nicht konstruieren kann, bzw. nicht zeichnen kann ohne nachträglich Konstruktionslinien wegzuradieren, was im Kornfeld (bisher) nicht möglich scheint.

Das Kapitel "Kornkreise im Labor" beschreibt ausschließlich Forschungsergebnisse des amerikanischen Forschungsteams BLT (benannt nach deren Mitarbeitern: Burke, Levengood und Talbot). Diese haben bei vielen Pflanzen- und Bodenproben biologische Veränderungen nachgewiesen. Das BLT-Team ist eine der wenigen naturwissenschaftlichen Forschungsgruppen auf diesem Gebiet, die methodisch arbeitet und ihre Ergebnisse in begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht. Das ermöglicht anderen Wissenschaftlern die Überprüfung der Experimente. Leider geht Müller nicht auf die Arbeiten anderer Wissenschaftler ein. Dem unbedarften Leser bleibt daher verborgen, dass nicht alle Forschungsergebnisse von BLT von anderen Wissenschaftlern reproduzierbar sind und dass es auch offensichtliche Fehler in physikalischen und mathematischen Modellen gab, die korrigiert werden mußten. Das Kapitel endet mit einer Darstellung der Levengood'schen Hypothesen zur Entstehung von Kornkreisen durch
Plasma-Wirbelsysteme.

Es gibt nicht nur Kreise und Phänomene in Kornfeldern. Müller beschreibt auch in den Erdboden eingeprägte Formationen, mysteriöse Erdlöcher und Kreise in Eis und Schnee.

Weiterer Raum wird den Randphänomenen im Zusammenhang mit Kornkreisen gewidmet, wie z.B. Fehlfunktionen von elektrischen Geräten, physische und psychische Effekte bei Mensch und Tier. Immer wieder hört man, dass sich Kornkreis-Wünsche oder Präkognitionen erfüllt haben sollen. Ufo-Meldungen, Lichterscheinungen und Anomalien auf Photos treten häufig als Begleiterscheinungen von Kornkreisen auf. Es werden einige Beispiele genannt, die einen Eindruck dieser Phänomene geben. Der Autor betont aber auch, dass nach seiner eigenen Erfahrung deren Zahl gemessen an der Häufigkeit von Kornkreisen eher eine Nebenrolle spielen. Er gibt zu Bedenken, dass die Chance einer solchen Beobachtung sehr gering ist und es hier eine unbekannte Dunkelziffer von nicht dokumentierten Fällen gibt.

Zum Schluß formuliert Andreas Müller eine eigene Hypothese zur Entstehung von Kornkreisen. Diese besagt, dass Kornkreise das "Resultat eines bisher unerkannten Phänomens der Natur" sind. Als Argument werden Beispiele für komplexe Geometrien (kristalline Strukturen, Bienenwaben, der Aufbau von Blättern, Planetenbahnen) und das Vorkommen des Goldenen Schnitts in der Natur angeführt. Wasser-Klang-Figuren werden als Beispiele für "unmögliche Geometrien" genannt. Auch die Komponente Zeit wird in die Argumentation zugunsten eines unbekannten Naturphänomens einbezogen.

Bei der technischen Erklärung der Kornkreisentstehung bezieht sich Andreas Müller auf die Plasmawirbel-Theorien von Levengood und die im Jahr 2000 modifizierte Theorie von Meaden, nach der sogar Windwirbel die Ursache sein können. Mysteriöse Lichtphänomene, physische und psychische Beeinflussungen und Defekte an technischen Geräten könnten eine Begleiterscheinung der durch Wirbelsysteme verursachten elektromagnetischen Felder sein. Er schließt nicht aus, dass die Formen unter Umständen durch "geometrische Informationen" aus anderen Quellen stimuliert werden (z.B. Sheldrakes morphische Felder).

Auch Müller kann am Schluß das Rätsel der Kornkreise nicht klären. Die eigentliche Frage, ob die kornkreiserzeugende Energie bewußt gesteuert wird oder durch natürliche Zufälle zustande kommt, bleibt weiterhin offen.

Der Autor hat im gesamten Buch einen weiten Bogen um das Thema menschengemachter Kornkreise gemacht. Am Schluß gibt er zu, dass er sich hier bewußt einer Diskussion entzieht, da diese seiner Meinung nach nur Kopien der bisher unerreichten Originale sind. Bei der Erforschung des echten Phänomens hält er die Beschäftigung mit diesem Thema für kontraproduktiv und möchte den Hoaxern dabei keine Plattform bieten. Der Leser, der neu in die Kornkreisthematik einsteigt, wird so um einen wichtigen Teil des Kornkreisphänomens betrogen.

Im Anhang des Buches werden Verhaltensregeln für die Entdecker oder Besucher von Kornkreisen gegeben. Zum weiteren Einstieg in die Thematik werden die wichtigsten internationalen Internetadressen aufgelistet. Im Literaturverzeichnis findet der Leser die im Text verwendeten Quellen und weiterführende Literatur zum Thema.

Dieses Buch deckt mehr Aspekte ab, als andere Kornkreisbücher. Die historischen Kreise, Augenzeugenberichte und Statistiken sind bisher kaum veröffentlicht worden. Die naturwissenschaftlichen Teile werden leider ein wenig mit Scheuklappen (BLT), bzw. zu knapp dargestellt (Hawkins). Ein sachliches Buch sollte nicht auf die Darstellung und Diskussion von anderen Forschungsergebnissen verzichten. Dies trifft auch auf die diskutierten Aspekte der menschengemachten Kornkreise zu.

Das Buch ist sehr ansprechend gestaltet und enthält viele gute Bilder von den besten Kornkreisfotografen. Trotz der Kritik ist es sehr zu empfehlen. Es sollte aber nicht das einzige Kornkreisbuch im Bücherregal sein.

Uwe Engelmann, FGK, Heidelberg

 

 

 

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