Kornkreise

 

News & Termine

 

Projekte

 

Texte

 

Über die FGK

 

Forum

 

Links

 

Archiv

Kornkreise
 

 
ACHTUNG! Diese Seiten sind nicht mehr aktuell.
Die FGK betreibt jetzt ein Weblog unter http://www.fgk.org/

Kreise ohne Grenzen

Ein Blitzbesuch in Valkenburg von Kurt Diedrich

13. 7. 2004: Das wievielte verregnete Wochenende war dies eigentlich in diesem Sommer? Ich hatte das Zählen inzwischen aufgegeben. Egal! Wenn ich auf besseres Wetter warte, würde ich vor September wahrscheinlich nicht mehr dazu kommen, mir einen Kornkreis in freier Natur (und nicht auf dem Bildschirm) anzuschauen. Also: Wetterfeste Kleidung anziehen und auf geht's! Noch ist die Kornkreis-Saison schließlich nicht zu Ende.

In Deutschland sieht es in punkto Kornkreise bisher noch recht bescheiden aus, doch wozu wohne ich in der Nähe der holländischen Grenze - genau genommen der Grenze zu Südholland, auch als "Provinz Limburg" bekannt. Diese Region konnte auch im Jahre 2004 wieder mit bislang einer beeindruckenden Formation punkten.

Merkwürdiger Zufall: Die limburgischen Kornkreise liegen genau in dem Gebiet, in das ich vor 23 Jahren aus dem weit entfernten Saarbrücken gezogen bin, um nach dem Studium meinen ersten Job anzutreten. Damals hatte ich vor lauter Heimweh große Probleme, die neue Umgebung zu akzeptieren. Hätte ich 1981 schon etwas von Kornkreisen geahnt und vor allem: Hätte ich geahnt, dass sie in unmittelbarer Umgebung meiner neuen Wirkungsstätte auftauchen würden: Der Abschied von meiner alten Heimat wäre mir sicher wesentlich leichter gefallen. Gibt es einen über die Zeit hinaus wirkenden Zusammenhang zwischen Biografien und Kornkreisen? Doch dies nur nebenbei.

Der Ort des für dieses Jahr ersten limburgischen Kornkreises ist neu: Direkt am Rande von Valkenburg. Diese kleine Stadt stellt eine Besonderheit dar: Sie zählt neben den einschlägig bekannten Küstengebieten zum "Mekka" des niederländischen Tourismus. Der Grund dafür offenbart sich sofort, wenn man die holländische Geographie einer näheren Betrachtung unterzieht: Ganz Holland ist flach - nur in der Umgebung von Valkenburg gibt es "Berge", oder zumindest das, was die Niederländer dafür halten: Eine malerische, hügelige Landschaft mit Erhebungen, die sich bis zu einer Höhe von etwa 300 m erstrecken.

Dank der Beschreibung von Andreas Vogt war die Formation sehr leicht zu finden. Sie existierte (jedenfalls am 11 Juli 2004) immer noch und befindet sich hinter einem hohen Bahndamm, der das betreffende Feld hervorragend vor Blicken aus dem dicht benachbarten Valkenburg schützt. Blicke aus der anderen Richtung dürften aufgrund der sich dort bis zum Horizont erstreckenden, landwirtschaftlichen Felder eher selten zu erwarten sein.

"Ein idealer Ort für Hoaxer, sich unbemerkt ans Werk zu machen" dachte ich unwillkürlich. Ein weiterer Gedanke drängte sich mir auf: "Ein Leichtes für ein paar unternehmungslustige Touristen (von denen es hier nur so wimmelt), sich nach einem Kneipenbesuch im Schutze der Dunkelheit noch einen kleinen Scherz zu erlauben" (Die nächste Kneipe befindet sich in etwa 200 m Entfernung).

Ich bemühte mich, meine aufkeimende Skepsis zu unterdrücken. Schließlich sind diese Art von Erklärungsmodellen längst vom Tisch. Außerdem gibt es immerhin ein Gebäude, das sich in der Nähe der Formation und ebenfalls hinter dem Bahndamm befindet. In einem Gespräch mit Andreas Vogt versicherte der Bewohner dieses Gebäudes vor kurzem, in der Nacht der Entstehung dieser Formation nichts Außergewöhnliches bemerkt zu haben. Kein Wunder: Das Gebäude befindet sich mindestens 100 m von den fünf Getreidekreisen entfernt und ist vom betreffenden Feld durch ein paar Bäume abgetrennt, die genügend Sichtschutz bieten. Die beigefügte Panorama-Aufnahme verdeutlicht den Abstand (kein verzerrendes Weitwinkel-Objektiv) zwischen Formation und Haus (das sich hinter dem rechten Bildrand befindet) und vermittelt einen Eindruck von der Abgeschiedenheit des Geländes.

Nun gut: Auch die vom Besitzer des Hauses erwähnten Gänse (von deren Existenz ich mich überzeugen konnte) hatten angeblich in der betreffenden Nacht keinen Laut von sich gegeben - und das gibt natürlich schon zu denken. Andererseits: Wird in der Literatur nicht häufig davon berichtet, dass Tiere bei der nächtlichen Entstehung "echter" Kornkreise einen Höllen-Spektakel verursachen? Oder wurden diese Kornkreise zu Unrecht für echt gehalten und die Tiere waren lediglich über die Dreistigkeit der nächtlichen, menschlichen Eindringlinge erbost? Dann wäre die Nachtruhe im Valkenburger Weizen ja wirklich ein Indiz für ...doch was soll die Grübelei!

Es war auf jeden Fall recht frustrierend, die zum Greifen nahe Formation nicht betreten zu dürfen - doch schließlich ist es für ein FGK-Mitglied eine Selbstverständlichkeit, den Anweisungen betroffener Landwirte Folge zu leisten. Zu gerne hätte ich stichprobenartig überprüft, ob die Wachstumsknoten der Halme in der Formation wirklich so merkwürdig gedehnt oder aufgebläht waren, wie es in einigen Internetseiten nachzulesen ist. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es so einfach sein soll, "echte" Kornkreise von Menschenwerk zu unterscheiden (oder schleppen Hoaxer mittlerweile wirklich "schweres Geschütz" in Form von Mikrowellenstrahlern mit sich herum, wie es am 30 Juni in einer Sendung bei 3sat zu sehen war).
Ein kurzer Blick ins Feld führte mir den Grund für die Verärgerung des in "Kornkreisnot" geratenen Landwirtes deutlich vor Augen (siehe zweites Foto): Breite, von übereifrigen Kornkreis-Touristen ins Getreide getrampelte Pfade zeugten in beschämender Weise vom Vandalismus früherer Besucher.

Was mir noch auffiel, war die Tatsache, dass außer mir und meiner Partnerin kein Mensch weit und breit zu sehen war. Hatte das "Eintrittsverbot" etwa zur Abschreckung Interessierter beigetragen?

Eine Besonderheit entdeckte ich zuhause beim Herunterladen der mit meiner Digitalkamera gemachten Fotos: Am Himmel über dem Horizont waren auf zwei hintereinander geschossenen Fotos klein und unscharf zwei Objekte zu erkennen, die an Hubschrauber erinnerten. Dabei hatte ich während des Fotografierens keine Hubschrauber bemerkt. "Black Helicopters" nun auch in Valkenburg?

Zugegeben: Diese Frage ist nicht ganz ernst gemeint - aber man weiß ja nie!

Eines glaube ich jedoch jetzt schon zu wissen: Wer immer noch auf die fast regelmäßig erscheinende Formation an der benachbarten Autobahn bei Heerlen wartet, den muss ich enttäuschen: Dort wurde in diesem Jahr kein Getreide angebaut.

 

 

© 16. Oct 2018 FGK e.V. | Kontakt | Impressum | Inhaltsverzeichnis