Kornkreise

 

News & Termine

 

Projekte

 

Texte

 

Über die FGK

 

Forum

 

Links

 

Archiv

Kornkreise
 

 
ACHTUNG! Diese Seiten sind nicht mehr aktuell.
Die FGK betreibt jetzt ein Weblog unter http://www.fgk.org/

Kongsberg

Buskerud, Norwegen
Gemeldet am 18.12.2005
Eis
Am 18. Dezember entdeckten Per Olve Tobiassen und Anne Rygaard in der südnorwegischen Provinz Buskerud zwischen Skrimfjellet und Kongsberg auf dem Fluß Gravdola einen Eiskreis. Er war 100%ig rund und es herrschte zum Zeitpunkt des Fotos eine Außentemperatur von -14° C. 100 m weiter fließt die Gravdola in die Kjoerstadelva und dann in den Numedalslagen.
Mehr:
http://www.kornsirkler.org/

Forenbeiträge von Wasserspezialisten:
Alex aus Bonn: Ich kann erklären, warum sich in der Mitte des Baches entgegen der oberen und unteren Gewässerstrecke überhaupt eine Eisfläche gebildet hat. Warum diese eine geometrische Form bildet, ist mit einem natürlichen Zufall auf Basis eines rein physikalischen Prozesses zu erklären, siehe unten.
Das Bachgerinne ist im besagten Abschnitt stark aufgeweitet. Der Abfluss verteilt sich auf einer größeren Flächen, so dass die mittlere Fließgeschwindigkeit hier niedrig ist. In der Strömungslehre nennt man das auch Venturieffekt.
Daher ist das Potential der Eisbildung hier größer.
Nun: Warum ist der Bach an dieser Stelle so breit?

Es muss sich kurz unter (oder direkt an) der Wasser- bzw. Eisoberfläche eine Erhöhung „Insel“ befinden. Bei schwankendem Wasserstand bildet sich zunächst das Eis an dieser Insel und breitet sich nach allen Richtungen aus. Dieser fortlaufende Kristallisationsprozess müsste von der Grundfläche einen stromlinienartigen Charakter besitzen, ähnlich eines Eies.
Durch die Perspektive des Fotografen sieht es aber aus wie ein Kreis, aber nur weil unser Kopf es so will und uns reinlegt. Wir sehen nämlich ungewollt mit Schablonen.
Aus der Vogelperspektive haben wir sicherlich keine absolut kreisrunden Flächen, es sieht aber eben zunächst danach aus. Es sieht wirklich genial aus!

Constantin aus Bonn:
Man sieht auf den Bildern deutlich die Strömungsabbiegung des Baches an der Stelle nach Links und danach wieder zurück. Man sieht auch dass der Bach gerade, wenn er wieder zurückfließt, schneller fließt.
Meiner Meinung liegt in diesem Bach eine Barriere, die von rechts schräg in den Strom reinragt. Diese ist auch im Bild deutlich durch zwei größere Reif/Schnee-Haufen im Eis zu erkennen; vermutlich sind es anstehendes Gestein oder große Brocken die vom letzten Hochwasser liegengeblieben sind. Dadurch bildet sich eine Engstelle, die der Bach umfließen muß. An der rechten Seite schafft er es; an der linken halt nicht, so dass das Wasser dort ruhig bleibt. Ruhiges Wasser vereist gerade im Uferbereich recht schnell, da es "Halt" hat und in Kontakt ist mit dem viel kälteren Ufer, in Bewegung befindliches Wasser jedoch nicht.
Durch das links vorbeifließende Wasser bildet sich, wie schon gesagt, eine Kreisbewegung im Wasser im Uhrzeigersinn. Dort kann das Wasser dann nicht auf Anhieb gefrieren, es ist halt in (langsamer) Bewegung.
Vielleicht ist in dem Strom auch irgendwas in diesen (noch offenen) Kreis geraten; ein Blatt, ein Zweig oder auch eine kleine Eisscholle; dies reicht dann aus um den Bereich zufrieren zu lassen, wobei der wachsende Eiskreis sich anfangs noch mit dem Strudel dreht und immer wieder an den Rändern anstößt, bevor er irgendwann an einer Stelle mit dem restlichen Eis anfriert und zum Stillstand kommt.
Eine im Wasser befindliche Insel oder ein Zweig der mit dem Boden befestigt ist und aus dem Wasser ragt halte ich für unwahrscheinlich, da die Kreisbewegung dann nicht zustande kommen kann; ich denke sogar, dass es an der Stelle vergleichsweise recht tief sein könnte ("Kolke")! Möglich ist auch ein schwacher Strudel an der Stelle, der das Wasser zu einem Teil unter der Steinbarriere durchfließen lässt. So könnte der "eingefangene" Zweig/die Scholle an seinem Platz geblieben und nicht aus der Drehbewegung wieder rausgeschwemmt worden sein.
Ein Dank an unser studierten Wasserbauer.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt.
Aber man sollte trotz aller naturwissenschaftlicher Gesetze andere Möglichkeiten offen halten. Warum sollte es nicht unter diesen vielen Launen der Natur Dinge geben, wo wir nur schwerlich eine Erklärung finden können.
Copyright: © Foto: Per Olve Tobiassen

 

 

© 22. Feb 2018 FGK e.V. | Kontakt | Impressum | Inhaltsverzeichnis